Warum ich ganz und gar auf die Anzucht von Schnittblumen im Haus verzichte.

Man sieht es immer wieder auf sämtlichen Socialmedia-Kanälen: es wird ausgesät, was das Zeug hält. Auch in mir entsteht dann eine innere Unruhe, durch die ein Drang verursacht wird, endlich mit der Aussaat der einjährigen Schnittblumen zu beginnen. Im Februar! Klar, es gibt Arten, die leichte Fröste abkönnen oder sogar als Zweijährige ausgesät werden können. Aber die meisten Arten benötigen eine Keimtemperatur von ca. 15°C. Einige Arten mögen es, wenn es zwischendurch noch etwas kühler wird und haben dann bessere Keimquoten. Deswegen können sie auch prima im Spätsommer ausgesät und im Beet (meist sogar ohne Frostschutz) überwintert werden.

 

Ist die Pflanze gekeimt, ist der nächst wichtige Faktor für die Entwicklung der Pflanzenorgane (zunächst die Blätter) das Licht. In den Wintermonaten gibt es davon natürlicherweise noch nicht so viel. Wir müssen dann auf künstliches UV-Licht zurückgreifen, um das temperaturinduzierte Wachstum mit ausreichend Licht zur Photosynthese zu versorgen. Ist zu wenig UV-Licht vorhanden, kann die Pflanze nicht ausreichend Biomasse aus dem in der Luft vorhandenen Kohlenstoffdioxid und dem ihr zur Verfügung stehenden Wasser bilden (Photosynthese). Die Pflanze vergeilt. Auf der Suche nach Licht bildet sie lange Triebe und wird instabil. Dies kann man verhindern, indem man die Pflanzen täglich frostfrei nach draußen stellt und abends wieder rein. Oder aber, so mache ich es, man startet die Aussaat der Schnittblumen später. Nämlich ab Mitte März (u.a. Duftwicken, Einjähriger Rittersporn). Das Gros meiner Schnittblumen wird erst ab April ausgesät.

Um auf die Anzucht im Haus zu verzichten, braucht es etwas Geduld und Resistenz gegenüber den Frühstartern auf Socialmedia.

 

Als erstes benötig man eine Auswahl an Schnittblumenarten, die einen passenden Entwicklungszyklus aufweisen. Die meisten Schnittblumen benötigen etwa 12 Wochen nach der Keimung bis zur ersten Blüte und eine Keimtemperatur von mind. 15°C. Diese Infos findet man schon auf den Samentütchen. Ein wichtiger Hinweis ist auch der Aussaatzeitpunkt, der auf den Tütchen vermerkt ist. Steht dort z.B. Januar-März handelt es sich wahrscheinlich um eine Blume, die ziemlich lange bis zur Blüte braucht. Dies kann bedeutet, dass eine Anzucht ab einer Tagestemperatur von 15°C, also bei uns meist ab Ende März, für sie zu spät ist. Ihre Blüte würde dann in den September fallen, in dem es ggf. schon tagsüber zu kalt sein könnte, um eine üppige Blütenpracht auszubilden. Denn auch die Blütenbildung und -Entwicklung einer Pflanze wird u.a. durch die Temperatur und das verfügbare Licht beeinflusst.

Die geeigneten Aussaatgefäße sind der nächste Punkt auf der Liste. Aus meiner Erfahrung heraus eignen sich handelsübliche Multitopfplatten genau wie aufgeschnittene Milchtüten oder andere Topfgefäße.

Die Anzuchterde. Einer der wichtigeren Punkte. Ich verwende torffreie Erden. Die sind zwar verhältnismäßig teuer, aber eben torffrei.

Der Aussaatzeitpunkt ist entscheidend. Wird er zu früh gewählt und es kommt zu unerwarteten (Nacht-)Frösten, kann dies für frostempfindliche Pflanzen Erfrieren bedeuten. Also starte ich die Aussaat der frostempfindlichen Schnittblumen erst Mitte oder Ende April. Die Keimung beginnt dann, je nach Witterung, innerhalb von zwei bis vier Wochen. So können die Jungpflanzen geschützt bei mir zuhause bis nach den Eisheiligen heranwachsen. Und was ich besonders zu schätzen gelernt habe, ist mein Coldframe. Dieser ist ein schmaler an die Hauswand gelehnter Rahmen aus Holz ohne Boden mit einem aufklappbaren Deckel aus Doppelstegplatten. Hierin ist es immer etwas wärmer als draußen, so dass im Frühjahr keine Frostgefahr besteht und im Winter – mit Frostwärmer – meine Coolflowers und Stauden überwintern können. Meine Aussaaten stehen an einer Wand am Haus in Ost-West-Ausrichtung. Manchmal bekommen sie einen Sonnenschutz gegen Austrocknung in der Mittagssonne. Gegen Nachfröste decke ich die Babypflanzen, die nicht im Coldframe stehen, mit einem Vlies zu.

 

Frostverträgliche Pflanzen starte ich Mitte oder Ende März. Entweder kommen sie zur Keimung in den Coldframe oder „einfach raus“.

Direktsaaten mache ich ab Anfang Mai. Auch hier kann mit einer Keimdauer von zwei bis vier oder mehr Wochen gerechnet werden.

In den letzten Jahren konnte ich auf meinem Blumenfeld beobachten, dass eine Anzucht im Haus für mich keine Vorteile bringt. Weder eine frühere Blüte, noch eine Steigerung an Blüten pro Pflanze. Ich verzichte auf keine besondere Schnittblume und kann bis zum Frost ernten.

Natürlich ist immer die Frage, zu welchem Zweck du deine Blumen anbaust. Für mein 200 qm² Blumenfeld und meinen kleinen Hausgarten kann ich ohne Anzucht im Haus ausreichend viele Blumen anbauen und die ganze Saison über ernten.